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Barlach in Bewegung


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BARLACH AN BORD

Hier sehen Sie Werke aus unserer Sammlung, die gegenwärtig ausgestellt sind. Sie möchten wissen, ob auch Ihr Lieblingswerk dabei ist? Fragen Sie uns unter info@barlach-haus.de oder 040 / 82 60 85

Während der Ausstellung Norbert Prangenberg. Formfreude zeigen wir schwerpunktmäßig eine Auswahl wenig bekannter Frühwerke Ernst Barlachs – die Präsentation von Prangenbergs keramischen Figuren bietet eine gute Gelegenheit, auch den Keramiker Barlach kennenzulernen. Um 1903/04 gestaltete er für die Manufaktur von Hermann und Richard Mutz in Altona eine Reihe von kunstgewerblichen Objekten: dekorative Kleinplastiken, Reliefplatten, einen Wandbrunnen, aber auch kleine Fauns- und Satyrköpfe, die als Henkelverzierung für unterschiedliche Gefäße Verwendung fanden. Barlachs dem eleganten Linienschwung des Jugendstils verpflichtete Keramiken waren Teil einer Bewegung zur ästhetischen Neugestaltung der bürgerlichen Lebenswelt nach 1900. Der Wunsch nach Befreiung von einem gravitätischen Historismus lenkte den Blick verstärkt auf die Feinheiten ostasiatischer Keramik – so verwendete die Manufaktur Mutz Überlaufglasuren nach japanischem Vorbild, und auch Barlachs grimassierende Köpfe könnten japanischen Darstellungen nachempfunden sein.

 

Barlachs Konzentration auf Keramik trug im Oktober 1904 Früchte: Der Künstler erhielt ein Lehramt an der Königlichen Keramischen Fachschule in Höhr im Westerwald (das dort 1976 gegründete Keramikmuseum Westerwald widmete Anfang 2019 dem Schaffen Norbert Prangenbergs eine Ausstellung). Doch schon im April 1905 gab Barlach die als Beschränkung empfundene Stellung auf und zog nach Berlin. 1905/06 entstanden noch wenige weitere Keramiken für Richard Mutz: eine Henkelvase mit Masken und – nach einer für Barlach künstlerisch wegweisenden Russlandreise im Sommer 1906 – Bettlerfiguren, mit denen sich der Künstler sein ureigenes motivisches Terrain eroberte.

Welche Ausprägungen es in den Werken der 1910er bis 1930er Jahre erfuhr, zeigen die ausgestellten Holzskulpturen: Barlachs Suche nach einer Kunst der Ausdruckskraft, die emotionale und spirituelle Intensität in blockhafter Körperlichkeit verdichtet, zeigt in der Auswahl ihre unterschiedlichen Seiten: von der extrovertierten Leidenschaftlichkeit des Wüstenpredigers (1911) bis zur Innerlichkeit des Asketen (1925) oder der neun Figuren, die gemeinsam den Fries der Lauschenden (1930–35) bilden. Besonders eindrücklich ist die Figur Weinende Frau (1923), die das Ernst Barlach Haus 2015 erwerben konnte: Ihr Leiden findet in der abrupt umbrechenden Silhouette des ambossartig geformten Leibes einen geradezu brutalen körpersprachlichen Ausdruck, der das Thema der Skulptur vom Individuellen ins Universelle hebt.

Die versammelten Holzskulpturen – insgesamt besitzt unser Museum mit dreißig von ihnen ein Drittel aller Hölzer Barlachs – sind auch in ihrer Materialästhetik bemerkenswert: Barlach hat unterschiedliche Holzarten verwendet, und er nutzte keineswegs naturbelassene Stücke. Vielmehr bevorzugte er geleimte Schichthölzer, die er zumeist mit getönten Überzügen versah. Die Zusammensetzung dieser Überzüge wird derzeit in einem Forschungsprojekt näher untersucht. Parallel lassen wir sämtliche Holzskulpturen Barlachs in unserem Haus und in zahlreichen Museen landesweit neu fotografieren. Das Ergebnis – eine umfangreicher Bildband zu Barlachs Holzskulpturen – soll pünktlich zum 150. Geburtstag des Künstlers im Januar 2020 erscheinen.

 

 

BARLACH AUF REISEN

Wir freuen uns, dass Leihgaben aus unserer Sammlung in unterschiedlichen Ausstellungen präsent sind. Derzeit sind folgende Werke ausgeliehen:

 

Drei Bronzenbüsten, zwei Steinzeug-Plaketten und eine Porträtzeichnung

»Der Kopf verfolgt mich« – Ernst Barlach als Porträtist

Güstrow, Ernst Barlach Stiftung (21. Juni – 10. November 2019)

 

Hintergrundbild: »Georg Winter. Heftiger Niederschlag, knapp daneben«, Ernst Barlach Haus 2011/12